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Die Unsichtbarkeit Gottes

15.02.2019

Die Unsichtbarkeit Gottes war ein großes Problem im jüdischen Glauben. Während andere Völker ihre Götter sehen konnten, die Sonnenscheibe, ein Gewitter oder ein Götterbild, war der Gott Israels unsichtbar. Und so entzündeten sich an Gottes Unsichtbarkeit viele Fragen, Verunsicherungen und Zweifel. Die Psalmen sind voller Sätzen wie: „Sie sagen zu mir: Wo ist denn nun dein Gott?“ und: „Wache auf, Herr! Zeige dich uns! Nimm die Hände aus der Hosentasche!“ (Ps 74,11) 

 

Auch im Neuen Testament ist die Unsichtbarkeit Gottes ein Problem: Die Jünger sagten zu Jesus: „Zeige uns den Vater, dann genügt es uns!“ (Joh 14,8) Jesus sagte: „Selig sind die, die (Gott) nicht sehen, und doch glauben.“ (Joh 20,29) Und Petrus lobte die, die „ihn nicht gesehen haben und ihn doch lieben.“ (1.Petr 1,8) 

 

Bis heute resultieren aus der Unsichtbarkeit Gottes viele Fragen und Zweifel für den christlichen Glauben: Ist Gott nicht eine Einbildung? Wie soll ich jemand vertrauen, den ich nichts sehe? Ist es nicht unvernünftig oder unwissenschaftlich, an Gott zu glauben? Diese Fragen kennt jeder, der den christlichen Glauben prüft oder vertritt. 

 

Das alles sind bohrende Fragen – doch vielleicht liegt die Lösung ja in einem anderen Bereich! Es war auf einer Reise und es traf mich wie ein Schlag: „Das kenne ich ja!“ Vor langem war ich dort gewesen, einmal und beiläufig nur, doch nun purzelten die Erinnerungen wie Dominosteine: Informationen, Gedanken, Farben und Gerüche. Nichts davon war mir bewusst gewesen und hätte ich versucht, es aktiv zu erinnern, wäre es mir weggeflutscht wie ein nasses Stück Seife. Doch nun war es, als würde eine verschwunden geglaubte Datei geöffnet…. 

 

So kann es auch mit Gott sein: Gott ist nicht Teil unseres Bewusstseins und unserer Logik, doch ein Impuls kann es wachrufen. Plötzlich wird alle Klügelei weggewischt ist und uns wird klar wird: „Das weiß ich doch! Gott kenne ich schon lange!“? 


Eine junge Frau beschrieb in einem Buch, wie ihr Glaube an großen Fragen Stück um Stück kaputt ging. Zurück bleiben nur Leere, Traurigkeit und Wodka. Doch als sie für ihre demente Großmutter das Lied singt „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“, da trifft sie der Vers „Kennt auch dich und hat dich lieb“. Plötzlich weiß sie, der „Kennt auch dich“ ist da! Sie wird gesehen und verstanden. Ein Kinderlied und das Wissen um Gott war wieder da. So erlebt es auch Hagar, eine Frau im Alten Testament, die eine tiefe Verzweiflung schlagartig weiß: „Du bist der Gott, der mich sieht.“ (1.Mose 16)

 

Habe ich so etwas schon erlebt? Diese Erinnerung an Gott, dass er mich sieht und ich ihn kenne? Unsere Lebenswirklichkeit ist so laut, so physisch, dass wir sie fast für die einzige Realität halten. Aber dann und wann redet Gott und werden Menschen offen für seine Wirklichkeit. In Hiob 33 heißt es: „Denn Gott redet auf die eine oder andere Weise, doch beachtet man es nicht. Er redet in der Nacht, durch Bewahrung, durch Krankheit oder Heilung. Zwei oder dreimal tut Gott das im Leben von jedem.“ (Hiob 33)

 

An den unsichtbaren Gott der Bibel glauben zu können ist ein sehr persönlicher Weg. Und vielen rationalistisch und wissenschaftlich geprägten Menschen erscheint das als antiquiert und lächerlich. Apelle und Argumente helfen da nicht weiter. Doch ein Gedanke von C.S.Lewis kann da vielleicht helfen: Er schrieb, Gott im Weltall oder in der Schöpfung zu suchen und finden zu wollen, das wäre so, als wenn Hamlet auf den Dachboden seines Schlosses ginge, um dort Shakespeare zu suchen. Ähnlich absurd sei es, den Schöpfer von Himmel und Erde – in Raum und Zeit, mit Physik und Logik dingfest machen zu wollen.

 

Doch zum Glück ist das nicht alles zum Thema: Im Neuen Testament hat sich der unsichtbare Gott doch sichtbar gezeigt – in Fleisch und Blut und in der Geschichte. Gott wurde Mensch „und wir sahen seine Herrlichkeit“ – in Jesus Christus (Joh 1,14). In der Person von Jesus ist Gott offenbart und sichtbar geworden. Und jeder, der diesem Gedanken zulässt und sich mal drauf einlässt, der kann es erleben! „Komm und sieh, probiere es aus“ (Joh 1,39.46). Schon in diesem Leben können wir den lebendigen Gott erfahren, der uns in eine reale Beziehung zieht – in den Dialog, ins Vertrauen auf Jesus. Auch das bleibt ein Vertrauensschritt und man kann es keinem beweisen. Doch zuletzt wird es sein, wie Paulus sagt: „Jetzt sehen wir alles, wie in einem unklaren Spiegel. Aber wir werden Gott einmal von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkennen wir ihn stückweise, dann aber werden wir ihn erkennen, so wie wir jetzt schon von ihm erkannt sind.“


Christian Pestel
 

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