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Sagen, was ist. Der Fall Relotius und die Kirche

15.02.2019

Mitte Dezember platzte beim „Spiegel“ die Bombe: Der preisgekrönte Journalist Claas Relotius gestand, jahrelang Reportagen aufgehübscht oder erlogen zu haben. Er zeichnete klischeehaft eine Südstaatenstadt, um die angebliche Tumbheit der Trump-Wähler zu zeigen; er erfand ein syrisches Mädchen, dem „mehrmals im Traum Angela Merkel erschien“; und das letzte lebende Mitglied der „Weißen Rose“ ließ er Naziaufmärsche in Sachsen geißeln. Für das Gute erfand er Geschichten, wie sie der „Spiegel“ wünschte: Seine „Machwerke fanden begeisterte Leser und Jurys, die sie auszeichneten“ schrieb der Spiegel (Nr. 52). Jetzt weiß man, dass sie falsch waren.

 

Der Fall ist gravierender, als es die „Hitlertagebücher“ für den Stern waren. Ganze Teile der Branche stehen als betrogener Betrüger da und als Verbreiter von Fake-News. Der „Spiegel“ versprach Aufklärung und stellte die Weihnachtsausgabe selbstkritisch unter das Firmenmotto „Sagen, was ist“. Hier und da wächst nun zaghaft die Erkenntnis, dass Zeitungen nicht „einlullen“ oder erziehen sollen. Die Leser bräuchten keine „Gefühlsverstärker“, sondern sie wollten die Wirklichkeit abgebildet sehen (Claudius Seidl, FAZ, 23.12.18).

 

„Sagen, was ist“, das Augstein-Motto ist nicht nur im Nachrichtengeschäft wichtig, sondern auch im Gute-Nachricht-Geschäft. Auch wir Christen und Kirchen sehen uns gerne als Protagonisten des Guten und wir haben dafür unsere „Narrative“ (ach, diese herrliche, pseudo-intellektuelle Sprache!), oft genug in der Spur des „Spiegel“. Als Pastor weiß ich: Von der Kanzel geht schimpfen auf Trump immer, Nächstenliebe und Toleranz zu fordern gibt 100 Punkte, und an das Gute zu appelliert lässt einen selbst schon als gut dastehen. So aber erliegen wir nur zu schnell unserer eigenen Weltsicht, „spiegeln“ uns selbst unser Gutsein und werden blind für eigene Fehler. Dabei haben doch wir ein ganz anderes Mandat: „Sagen, was der Glaube an Jesus heute ist“ – darin allein liegt unsere Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Daseinsberechtigung als Kirche.

 

=> Das heißt, dass die Bibel unser fester Referenzpunkt ist. Sie ist unsere Legitimation und Stolz, egal wie gern der „Spiegel“ darüber sonst zu Weihnachten auch stichelt. 

 

=> Das heißt, dass die Gute Nachricht von der Erlösung durch Jesus unser Mittelpunkt ist. Nicht Klimaschutz und gesellschaftliche Debatten sind unser leidenschaftlichstes Thema, sondern Jesus allein! In ihm finden wir alle Schätze und bringen das in die Gesellschaft ein. 

 

=> Das lässt uns selbstkritisch auf unsere eigene Arbeit schauen. Immer wieder ermahnt es uns und justiert unseren Kurs.

 

=> Das immunisiert uns auch gegen die Lügen von links und rechts. Es hilft, die gesellschaftlichen Gräben zu überbrücken, statt sie aufzureißen. Ja, das lässt uns sogar unsere Feinde lieben - etwas was ich all den „gefühlsverstärkenden Medien“ nie gefunden habe. 

 

Meine Überzeugung ist: Eine Kirche, die das Christliche festhält und gut dazu anleitet, ist viel attraktiver, relevanter und glaubwürdiger als alles andere. Wenn wir wieder „bekennende Kirche“ sein wollen, statt zeitgeistig-modern, dann können wir Menschen Hoffnung machen, statt Vorurteilen zu fördern. Dann sind wir ein Korrektiv zu den lauten Stimmen und den Erziehungsbemühungen von Medien und Populisten. Das sollte unsere Antwort auf alle Vertrauenskrisen und Manipulationsversuche sein und wir werden wieder als „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ wahrgenommen.


Christian Pestel
 

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