Eine erste Stufe der Konfliktlösung

09.08.2020

„Wenn dein Bruder [und das gilt entsprechend für die Schwester] ein Unrecht begangen hat, dann geh hin und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Wenn er mit sich reden lässt, hast du ihn zurückgewonnen.“ (Matthäus 18,15. Die Gute Nachricht)

 

Konflikte sind ein universelles und alltägliches Phänomen. Um uns herum finden alle Arten von Konflikten statt: politische, familiäre, berufliche, freundschaftliche usw. In gewisser Weise, und obwohl sie Teil unseres Lebens sind, ist eine der Folgen, seit COVID 19 in unserer Welt präsent ist, die Zunahme unserer Spannungen und unserer Reizbarkeit, die folglich den Anschein einer größeren Anzahl von Konflikten hervorruft.

 

Auch das Leben von Christen und Kirche ist nicht frei von Konflikten. Die heilige biblische Geschichte enthält unerschöpfliche Beispiele dafür. Angefangen vom Sündenfall bis zur Kreuzigung unseres geliebten Jesus, der wie kein anderer einen Konflikt in seinem Leben erlitt.

 

Eine der häufigsten Überzeugungen bei Konflikten im christlichen Umfeld – die meiner Meinung nach verzerrt ist – ist, dass Gläubige all ihre Konflikte sofort lösen müssen. Der bekannte Vers "Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen" (Eph. 4,26) rechtfertigt für viele dieses Denken und dies gibt bei vielen Gelegenheiten Anlass zu übereilten und unüberlegten Lösungen.

 

Ich bin überzeugt, dass unser himmlischer Vater nicht von uns erwartet, dass wir alle unsere Konflikte mit positivem Ausgang lösen. Trotzdem glaube ich, dass er uns bittet, zu lernen, mit ihnen umzugehen.

 

Die Worte Jesus in Matthäus 18,15 enthalten notwendige und weise Informationen, wie wir Konflikte mit unseren Brüdern bewältigen können. Ich möchte dir folgende Empfehlungen geben, von denen ich hoffe, dass sie euch in der ersten Phase eines Konfliktes nützlich sind. Ich halte es auch für selbstverständlich, dass Vergebung, verstanden als eine Haltung des Christen („und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“, Matthäus 6,12) in jedem Fall den Prozess der Konfliktlösung durchdringen sollte. Also:

 

1. Vergewissere dich zuerst, ob dein Bruder etwas gegen dich hat. Wie du bemerkst, benutzt der Herr Jesus die Konditionalform „Wenn", mit der er seinen Hinweis in Matthäus 18,15 beginnt. Ganz einfach: Es könnte sein, dass dein Bruder nichts gegen dich hat und du in einem Übermaß an Empfindsamkeit ein Problem siehst, wo es keines gibt. Arbeite also an deiner Empfindsamkeit. Manchmal glauben wir, dass sich die Welt nur um uns dreht.

 

2. Prüfe deine Gedanken: Denke über den Fehler deines Bruders nach und was dich am Verhalten deines Bruders stört. Selbstverständlich sollst du auch in Betracht ziehen (ggf. aufschreiben), ob dein Verhalten ihn beleidigt haben könnte. Du wirst sicher etwas finden. Bete für euch beide.

 

3. Proaktiv sein. Jesus sagt „Geh!". Das heißt, wartet nicht darauf, dass euer Bruder die Initiative ergreift oder, dass die passende Zeit kommt, um die Sache in Ordnung zu bringen. Das Gegenteil könnte passieren: die Uneinigkeit wird immer schwieriger, auch miteinander zu kommunizieren.
Der Urheber sollte sicherlich zuerst die Initiative ergreifen, weil die Ursache bei ihm liegt.
Während dieses Prozesses musst du Abstand von Klatsch und Tratsch zu dem Thema nehmen, um Klarheit in deiner Sache zu gewinnen. In dieser ersten Phase sollten Differenzen ausschließlich von den Betroffenen und unter dem Einfluss des Heiligen Geistes beigelegt werden.

 

4. Bereite ein Treffen mit ihm vor: Klärungen über Mail, SMS und WhatsApp sind hier unratsam. Suche einen neutralen Ort, wo ihr euch zeitnah, ungestört und zu zweit unterhalten könnt. Bete vor dem Gespräch, während (dein Bruder wünscht sich dies sicher auch) und nach dem Treffen, damit der Herr euch den Geist der Weisheit gibt und die Augen eures Verstandes erleuchtet (Eph. 1,17-20).

 

5. Selbstkontrolle üben und ehrlich sein. Bringe keine „geladenen Waffen“ mit zum Gespräch. Achte auf deine Körpersprache, auf die Signale deines Bruders und konzentriere dich vor allem auf die Gegenwart. Es macht keinen Sinn, den Kampf zu erwähnen, den ihr vor 20 Jahren im KIGO hattet.

 

6. Versuche nicht, die Auseinandersetzung zu gewinnen, sondern versuche, einen Bruder zurückzugewinnen. Dies ist der Wille des Vaters, der in seinem Konflikt mit den Menschen beschloss, uns durch Christus für ihn zurückzugewinnen.

 

Meiner Meinung nach, unabhängig davon, was das Ergebnis dieser ersten Phase ist, wirst du bereits durch die Gewissenserforschung und die nötige Ausübung von Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung an Weisheit und persönlicher Reife gewinnen.

 

Wenn das alles nicht funktioniert, wirst du zur zweiten oder ggf. zur dritten Phase übergehen – Matthäus 18,16-17 – ohne zu irgendeinem Zeitpunkt mit dem Beten aufzuhören.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.
Mercedes Narros Fernández, Diakonat Seelsorge

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