Der Mindestlohn in Deutschland wird erhöht

Ab Oktober steigt der Mindestlohn in Deutschland auf 12,- €. Viele Arbeitnehmer in Service, Lager, Landwirtschaft etc. freuen sich vorsichtig, die Arbeitgeber sagen Millionen Arbeitslose voraus, also scheint ja alles so zu laufen, wie das Bundesarbeitsministerium es erwartet hat.


Ich will aber heute über eine andere Branche sprechen, die ebenfalls ganz stark betroffen ist: Missionare aus Deutschland.


Es geht nicht um mich selbst, denn ich beziehe ja Rente, auch nicht um meine direkten Kollegen bei Operation World, denn niemand von ihnen ist Deutscher, aber meine anderen Kollegen beim WEC (und bei allen anderen Missionsgesellschaften) sind meist sehr wohl betroffen.


Lasst mich ein wenig ausholen, wie Missionare eigentlich finanziert werden:

Missionsgesellschaften werden ja ausschließlich über Spenden finanziert, haben also selbst kein eigenes Geld. Deshalb muss praktisch jeder Missionar einen Spenderkreis aufbauen und das Geld, das sie brauchen auf diese Weise „einwerben“. Denen das auf Dauer nicht gelingt, die können dann auch keine Missionare sein – das kann man auch als so eine Art „Test“ auf Gottes Versorgung sehen. Wie viel Geld sie wirklich brauchen, das ist extrem unterschiedlich. Japan ist viel teurer als Deutschland, in anderen Weltgegenden gehört man mit 100 Euro im Monat schon zu den Besserverdienern. Dennoch brauchen sie eventuell etwas mehr Geld als die Besserverdienenden in ihrem Land: Sie fliegen ab und zu zum Heimataufenthalt nach Deutschland – und reisen dann herum, um ihre Freunde und Unterstützer zu treffen. Eventuell müssen sie auch für erforderliche medizinische Behandlungen reisen, denn es gibt durchaus Länder, in denen man in das übernächste Land fliegen muss, um einen Zahnarzt besuchen zu können. Sie brauchen eine Büroausstattung, die den Standards und Sicherheitsanforderungen ihrer Missionsgesellschaft entsprechen, um mit ihrem Team kommunizieren zu können.


Aber vor allem ist da das kritische Thema der Renten- und Krankenversicherung. Auch Missionare werden irgendwann alt, und dann leben sie als Rentner in ihrer Heimat. Dazu müssen sie aber rentenversichert sein, und dafür müssen sie wenigstens zu Mindestlohn angestellt sein. Deshalb sind Missionare hier in Deutschland in aller Regel Angestellte ihrer Missionsgesellschaft, die ihnen die Spenden ihres Spenderkreises als Gehalt überweist. Und wenn dieser Mindestlohn nun steigt, dann muss dieser Spendeneingang pro Missionar wenigstens 2.340,- € im Monat betragen.


Und was ist nun mit dem so extrem unterschiedlichem Geldbedarf zwischen den Ländern? Was ist mit den Missionaren, die wirklich keine 2.340,- € im Monat ausgeben? Sie müssen trotzdem zu diesem Betrag angestellt sein, um rentenversichert zu sein. Und was ist mit denen, die zwar so viel haben, aber in ihrem Land und ihrer Stadt reicht das selbst zu bescheidenem Leben nicht? In der Regel gilt auch bei uns, dass wer viel einsammelt nicht zu viel hat und wer wenig sammelt nicht zu wenig hat (2. Mo. 16,18), sprich: Da gibt es schon einen freiwilligen Finanzausgleich. Aber für alle gilt die Sache mit dem Anstellungsvertrag.


Unterstützt du Missionare, die anders als ich noch keine Rentner sind? Dann denke bitte an diese Situation. Unterstützt du bisher noch keine Missionare finanziell? Dann denke bitte daran, dass Missionare in der Regel keine andere Finanzquelle als Spenden haben.

Dierk Evers

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