Neues von der Initiative: „Künstler unterstützen“

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich mit dem Liedermacher und Journalisten Christoph Zehendner und meinem Freund Peter Neubauer, mit dem ich jahrelang zusammen bei „heidelpraise“ gemeinsam musiziert habe, eine Initiative gegründet. Statt nur darüber zu reden, hatten wir alle drei den Eindruck, endlich etwas tun zu müssen, um unseren vielen Kollegen und Kolleginnen aus der Musik-und Kulturszene zu helfen.


Christoph, Peter und ich sind alle auch als Musiker unterwegs und kennen daher viele Kollegen, insbesonders aus der christlichen Kulturszenerie.


Wir wussten, dass viele Künstlerinnen und Künstler große Probleme hatten, ihre normalen Lebensverhältnisse aufrecht zu erhalten. Es ging um Brot, Butter, Miete und Auto. So haben wir im November 2020 „Künstler unterstützen“ ins Leben gerufen, um genau das zu tun: Künstler zu unterstützen.


Viele der Kollegen und Kolleginnen hatten seit dem Lockdown im März 2020 keine Möglichkeiten mehr aufzutreten und ihren Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten.

Natürlich rechnest man als Künstler immer mit gewissen Leerläufen und Wochen, in denen man keine Auftritte hat. Aber so eine lange Zeit kann kein Selbstständiger überbrücken, wenn er davon leben will und muss.


Unsere Idee der Initiative „Künstler unterstützen“: Menschen schenken Geld, das wir als Initiative weiterschenken an die Künstlerinnen und Künstler, von denen wir wissen, dass es gerade dringend benötigt wird.

Dabei wollten wir es den Künstlerinnen und Künstlern so einfach wie möglich machen.

Allein das Eingeständnis, Hilfe zu brauchen und diese anzunehmen, stellte für viele Kolleginnen und Kollegen schon eine große Überwindung dar.

Meine Telefongespräche und die Reaktionen der Angerufenen verliefen daher oft nach demselben Muster:


Überrascht, dass man anrufen wird.

Beschämt, dass man nach der Hilfsbedürftigkeit gefragt wird.

Bescheiden, indem man zurücktritt für „andere, die es bestimmt noch nötiger haben“.

Unendlich dankbar, dass man gesehen wird und dann doch die dringend benötigte Hilfe in Form eines Geldgeschenks erhält.

Vor allem schienen unsere Anrufe den Kollegen die Hoffnung zurückzugeben, dass es irgendwie weitergeht. Diese Telefonate waren oft sehr emotional und von ganz tiefer Dankbarkeit geprägt.


Kein Künstler musste bei uns ein Formular ausfüllen, irgendwelche Auflagen einhalten oder sonstige Hindernisse überwinden. Einzig und allein dieses Telefonat mit einem von uns genügte, damit wir uns einen Eindruck verschaffen konnten als Zeugnis für die „Glaubwürdigkeit der vorhandenen Not“.


Wir hatten im November 2020 keine Ahnung, ob das so in dieser Form überhaupt funktionieren würde, aber wir wollten helfen. Alle Kosten der Initiative tragen wir selbst, alle Geldgeschenke gehen direkt, schnell und ohne Abzüge 1:1 an die Künstler.


Durch die Großzügigkeit unfassbar vieler Unterstützer konnten wir bereits nach einer Woche über 7.000,- € weiterschenken, nach zwei Wochen waren es schon 20.000,- € und am Jahresende 2020 hatten wir bereits die Marke von 50.000,- € geknackt.

Geld, welches uns anvertraut wurde und wir Kollegen direkt weitergeben konnten, die damit ihre Miete, Essen und Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder kaufen konnten.


Im April 2021 durchbrachen wir die unglaubliche Summe von 100.000,- €. Dazu feierten wir eine kleine Online-Gala, um unsere große Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Sänger, Musiker, Tontechniker, Pantomimen, Tänzer, Puppenspieler, Zauberkünstler, Bauchredner, Schauspieler – in unserer Liste finden sich alle Sparten von Künstlerinnen und Künstler, die wir während des letzten Jahres unterstützen konnten.


Seit gerade im Sommer wieder vermehrt Auftritte möglich waren, gingen die Eingänge durch unsere Unterstützer verständlicherweise zurück. Auch die Künstlerinnen und Künstler selbst konnten ein wenig das aufarbeiten, was nach eineinhalb Jahren Pandemie liegengeblieben ist. Dennoch wollten wir unsere Initiative noch nicht einstampfen in Voraussicht auf das, was möglicherweise doch kommen würde.

Nun ist es auch bedauerlicherweise genauso gekommen: Die Einschränkungen sind zurück, weil die Infektionszahlen so immens steigen. Leidtragende sind vor allem genau die Berufsgruppen, die wir als Initiative „Künstler unterstützen“ im Blick und auf dem Herzen haben.


Obwohl wir inzwischen 150.000,- € an knapp 100 Künstlerinnen und Künstler als Geldgeschenke weitergeben konnten, blicke ich sorgenvoll auf die kommenden Monate.

Denn mit Sicherheit sind gerade Kulturveranstaltungen wieder mal das, was unter großen Auflagen – wenn überhaupt – durchgeführt werden können.

Also gehen wir in die zweite Runde…

Wer sich einen Eindruck machen möchtet, dem sei unsere Webseite empfohlen:

www.künstlerunterstützen.de


Eindrücklich sind besonders die zahlreichen Berichte von den Kollegen.

Noch mehr freuen wir uns natürlich über jegliche Unterstützung, die wir an Künstlerinnen und Künstler weitergeben können. Infos darüber, wie man helfen kann, findet sich auch auf der Webseite der Initiative.

Volker Schmidt-Bäumler


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