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Leitartikel Juni/Juli 2019

"Ich werde den Geist, den mein Vater versprochen hat, zu euch herabsenden. Wartet hier in der Stadt, bis das eintritt und ihr mit der Kraft von oben gestärkt werdet." (Lukas 24,49)

Nach seiner Auferstehung sandte Jesus seine Jünger aus mit einer großartigen Botschaft für die ganze Welt. Doch dieser Auftrag beginnt mit „Wartet!“ „Geht noch nicht los,“ sagt Jesus „denn ihr braucht dafür die Kraft Gottes.“

Das muss hart gewesen sein für die Jünger. Für einen Petrus, der immer schnell und initiativ war. Für Maria Magdalena, die ergriffen den lebendigen Jesus gesehen hatte. Für Thomas, der Jesus hatte anfassen dürfen und flammend überzeugt war. Wenn man so etwas Abgefahrenes erlebt hat, dann möchte man doch alle Welt bekehren!

Aber Jesus sagt: „Wartet! Versucht nicht selbst das zu tun, was doch Gott tun muss.“ Das ist wichtig für jeden, der auf Jesus hört. „Wartet, auf Gottes Geist und Gottes Kraft,“ sagt Jesus auch uns heute.

Doch warten fällt uns schwer. Oft wollen wir gerne losstürmen, in den Tag oder die neue Woche, und etwas bewegen - auch für Gott. Aber Jesus sagt: „Wartet! Wartet auf Gottes Reden; wartet auf seinen heiligen Geist und seine Kraft.“ Und vielleicht sind wir ja darum manchmal so erschöpft, frustriert oder enttäuscht, weil wir in bestem Willen und eigener Kraft unterwegs waren, aber nicht gewartet haben…

Ist das nicht eigentlich richtig schön, dass Jesus uns bremst? Das ist die Einladung zu mehr Gelassenheit. Zu Geduld. Zu hören und zu beobachten, was Gott tut. Das ist die Chance, uns neu überraschen zu lassen. Denn was passiert, wenn ich loslege, das weiß ich so ungefähr. Was aber an Gutem passieren kann, wenn ich auf Gott warte, das kann doch viel besser sein. Viel mehr, als wir uns vorstellen können…

Es ist wie bei dem kleinen Mädchen, von dem ich gelesen habe. Es war mit seinem Vater auf dem Markt und sah an einem Stand sehnsüchtig die roten Kirschen an. Die Verkäuferin sah das und sagte: „Los, mach deine Hände auf. Du darfst so viele Kirschen haben, wie da hineinpassen.“ Doch das Mädchen sagte zu seinem Vater: „Bitte halte du deine Hände auf, da passen mehr hinein!“

So ähnlich stelle ich mir das vor, was der Vers sagt: Gott will, dass wir uns an ihn wenden und mit ihm rechnen. Er will uns beschenken, aber nicht nach unserem Maß, sondern nach seinem viel größeren Maß. Und er freut sich, wenn wir gespannt darauf warten, dass wir seinen Geist und seine Kraft kennen lernen.

Christian Pestel

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