Kranichland

Johannes Groen muss nach dem Krieg aus Schlesien fliehen und kann in Rostock eine neue Heimat finden. Dort lernt er Elisabeth kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und ziehen nach einiger Zeit als junges Paar nach Ost-Berlin.

Dort wachsen ihre Töchter auf, und Johannes arbeitet fieberhaft am Aufbau des Sozialismus mit. Wie sehr er in Abhängigkeit seines Vorgesetzten gerät und wie sehr seine Familie ihm durch seinen beruflichen Einsatz entgleitet, bemerkt er nicht, bzw. zu spät. Seine Frau verliebt sich in einen anderen Mann und seine Tochter Marlene rebelliert im Teenageralter zusammen mit ihrem Freund offen gegen die DDR. Als die beiden jungen Leute die Flucht in den Westen planen, gerät die Familie komplett aus den Fugen.

Jahrzehnte später erbt eine der drei Groen-Töchter, Theresa, überraschend das Haus ihrer älteren Schwester Marlene, die aber angeblich schon seit Jahren nicht mehr lebt. Aufgrund dieser rätselhaften Erbschaft begibt Theresa sich auf Spurensuche und taucht in ihre Vergangenheit ein. Dabei entdeckt sie ein ungeheuerliches Geflecht aus Lügen, Schuld und Verrat. Und erneut wird ihr Leben auf den Kopf gestellt, denn sie muss alles in Frage stellen, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte.

Die Geschichte, die Anja Baumheier uns hier erzählt ist zwar erfunden, aber die Geschichte dahinter nicht. Ähnliche Schicksale gab es ganz bestimmt nicht selten. „Kranichland“ spannt einen weiten Bogen durch die Geschichte: von Bombennächten und Vertreibung, über Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.

Meiner Meinung nach ist der Autorin dies sehr gut gelungen. Sie ist 1979 in Dresden geboren, hat also einen unmittelbaren Bezug zur DDR. Vorbereitend hat sie im Zusammenhang umfangreicher Recherchen u.a. eine Menge Zeitzeugen befragt. „Kranichland“ ist Anja Baumheiers erster Roman. Er ist im März 2018 erschienen, war auf der Spiegel-Bestseller-Liste und ist inzwischen als kartonierte Ausgabe für 10,00 Euro erhältlich.

An manchen Stellen ahnt man zwar schon, was passieren wird. Aber der Spannung tut das trotzdem keinen Abbruch. Im Gegenteil - ich war gespannt, ob ich mit meiner Vermutung recht behalten würde und wie Frau Baumheier mich zur „Auflösung“ führen würde. Manche Schlüsselmomente hätte sie meiner Meinung nach noch weiter ausreizen können, aber auch darüber kann man hinwegsehen. Zumal es der erste Roman der Autorin ist. Die Geschichte wird abwechselnd im „Heute“ und „Damals“ erzählt. Damit man immer den Überblick hat, wo man sich gerade befindet, ist dies entsprechend neben der Seitenzahl bemerkt. Die „Damals“-Passagen sind zusätzlich mit einer Jahreszahl versehen.

„Kranichland“ ist unterhaltsam, auf-schlussreich und spannend. Und zum „Wendejubliäum“ vielleicht eine besonders passende Lektüre.

Gemütliche Lesestunden wünscht Evelyn Schmidt-Bäumler

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