Leitartikel August/September 2020

„Sei mutig und stark! Denn du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen! Sei du nur stark und sehr mutig…“ (Josua 1,6-7)

Mut ist heute kein allzu großes Thema mehr: Drachen gibt es keine, Ritter braucht es nicht mehr und Lebensgefahr besteht selten. Und so braucht man kaum noch Mut, Kühnheit oder Risikobereitschaft. Wie Museumsstücke stehen sie noch herum, werden bestaunt oder beim Bungee-Jumping erlebbar gemacht. Im Alltag aber geht es heute eher um Sicherheit und Verantwortung, um Planung und Kontrolle. Im Internet werden sogar problematische Inhalte mit einer „Trigger-Warnung“ versehen, um keinen zu erschrecken, zu belasten oder wegen Retraumatisierung verklagt zu werden. Das sichere, unverletzte, behütete Leben soll überall gewahrt bleiben.

Das Leitwort „meiner Generation“ in den 80er Jahren war noch „Freiheit“ oder gar „Rebellion“ (gegen die Eltern oder die da oben), doch das ist lange vorbei. Ich kenne 14jährige, die als Lebensziel „eine sichere Rente“ nennen. Wie schade, wenn das Leben kein Abenteuer mehr ist, sondern dessen Vermeidung; wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz die ganze Gesellschaft bestimmen; wenn sich alles in einer immer enger werdenden Spirale aus Ängsten, Kontrolle und Sicherheitserwägungen befindet und bereits junge Leute so konditioniert werden.

Gott aber redet anders mit uns. Er redet so wie mit Josua: „Sei mutig und stark!“. Und das hieß: „Mach dich unabhängig von anderen, verlass die sicheren Wege und vertraue mir radikal! Ich will durch dich Großes tun!“. Als Christen lieben wir es, diesen kämpferischen, wagemutigen Ton von ihm zu hören! Gott erinnert uns an die Potentiale, die er in uns gelegt hat. Er fordert uns zum Abenteuer des Glaubens heraus und zeigt, dass Ängste und Bedenken nicht unsere Natur sind!

Der Wahlspruch des großen Methodisten-Predigers John Wesley war: „Ich bin unsterblich, bis ich mein Werk vollendet habe". Das ist kraftvoll, kühn und optimistisch und es inspiriert uns, neu auf Gott zu vertrauen. Wir sind die Boten des allmächtigen Gottes, die nicht getriggert sind von Sorgen und Bedenken, sondern beflügelt durch seine Mut-Worte! Als seine Boten stünde es uns schlecht zu Gesicht, wenn wir uns anpassen, gefällig auftreten und immer erst einen Versicherungsmakler anrufen. Als seine Boten wollen wir die Kraft und Zuversicht ausstrahlen, die wir bei ihm gefunden haben.

„Sei mutig und stark!“ Das sagt Gott uns, mir und dir. „Sei mutig und stark!“, das können wir darum uns selbst sagen vor einem Bewerbungsgespräch, oder angesichts einer Niederlage, oder in einer belastenden Familienkrise, oder bei Corona-Ängsten, oder einer aufziehenden Depression. Nicht weil wir selbst stark sind, sondern weil Gott es uns sagt! Weil er bei uns ist! Weil er etwas Großes mit uns vorhat! „Alles vermag ich durch den, der mich stark macht!“, sagt Paulus (Phil. 4,13)! Was für ein Selbstbewusstsein! Erhobener Kopf, durchgedrücktes Kreuz, fester Schritt. Das tut Gott auch bei mir und dir!

Christian Pestel

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