Der Herr der Spatzen

Manchmal bleibt einem ja schier das Herz stehen. So ging es mir kürzlich in 5 Meter Höhe, als ich wegen der Schirme auf einer der Platanen im Gemeindegarten war. Als ich mich durch das Astgewirr schiebe, taucht plötzlich zentimeternah vor meinem Gesicht ein Amselnest auf! Ich erschrecke, als ich sehe, dass die Mutter darinsaß! Sie muss vor Angst fast gestorben sein, als da dieser riesige Affe neben ihr auftauchte, doch mit dem Löwenmut einer Mutter blieb sie sitzen! Wie schön, dass wir als Gemeinde auch in diesem Jahr wieder in Nistkästen und Bäumen Gottes Meisen, Hausrotschwänzen und Amseln eine gute Kinderstube bieten konnten!

Kurz danach jedoch hat mir das Herz geblutet. Auf der 2. Platane fand ich ein leeres Amselnest, bei dem ein Ei offensichtlich von einer Elster aufgehackt worden war. Ich sollte mich für die Elster und ihre Brut freuen, aber so recht gelingt mir das nicht. Doch noch trauriger hat mich das Nest gemacht. Ich weiß nicht, ob man es auf dem Bild erkennt: Ein schönes, kunstvolles Amselnest, bei dem ziemlich viele Plastikabfälle verbaut sind - Plastikschnipsel, Taschentuchpackungen und Tütenreste. Die wahren Zerstörer von Tierleben sind also wir, nicht die Elstern. Wir zerstören Lebensräume, nicht nur im Pazifik, sondern auch in Weinheim. Nicht nur andere, durch Achtlosigkeit auch wir selbst.

Das erinnert mich an eine kitschige und theologisch völlig falsche Geschichte, die mich dennoch anrührt: Ein alter Mann war zum Eigenbrötler geworden – garstig, egoistisch und einsam. Seine einzige Leidenschaft war es, jeden Tag die Spatzen vor seinem Fenster zu füttern. Als er starb kam er zu Petrus ans Himmelstor. Petrus sagte: „Du warst mies drauf, du darfst hier nicht rein, du gehörst nicht dazu.“ Der Mann wendet sich ab, doch da kommt ein Engel zu Petrus, flüstert mit ihm und Petrus ruft dem Mann hinterher: „Komm noch mal zurück: Der Herr der Spatzen möchte dir danken!“

Ersparen wir uns an der Stelle das Theologisieren und hören stattdessen: Gott liebt seine Schöpfung und wir sind ihm auch dafür Rechenschaft schuldig. Jeder Vogel, jeder Baum und jede Blume sollte uns daran erinnern. Christian Pestel

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