Gedanken zur Fastenzeit

An dieser Stelle steht meist ein kurzer persönlicher Kommentar zu einem der Monatssprüche. Für diese Gemeindebriefausgabe hatte ich allerdings den Eindruck, dass ich von etwas anderem erzählen soll: meinen diesjährigen Erfahrungen in der Fastenzeit vor Ostern.


Die christliche Tradition der siebenwöchigen Fastenzeit vor Ostern wurde mir schon als Kind von meinen Eltern vorgelebt. Früh begann ich damit, mich daran zu beteiligen und wählte verschiedene Varianten des Verzichts aus. Meist verzichtete ich in dem Zeitraum auf Süßigkeiten oder Schokolade. Auch als Erwachsene wählte ich das Fasten oft in Richtung Ernährung; es ist ja auch eine naheliegende Thematik.


Doch in diesem Jahr wollte ich mich anders einschränken, in einem anderen Bereich mit „weniger“ auskommen, simpler leben, mich auf das Wesentliche konzentrieren – und dadurch hoffentlich auch bewusster wahrnehmen, leben, und mehr Zeit für wichtigere Dinge haben. Ich fasste den Entschluss, mit so wenig Kleidung wie möglich auszukommen. Die erste Hälfte der Fastenzeit beschränkte ich mich auf 9 Kleidungsstücke, danach erweiterte ich auf 15 (ohne Schuhe, Jacken und Sportsachen). Ich war selbst überrascht, wie unproblematisch diese niedrige Anzahl in der Praxis war! Ich nahm wahr, dass ich zwar sehr wenig zur Verfügung hatte, dass es aber immer ausreichend viel war. Ich habe nichts vermisst.


Während dieser knappen zwei Monate wurde mir bewusst, wie wenig ich tatsächlich brauche, und dass ich meinen Konsum ein gutes Stück zurückfahren kann. In meinem Kleiderschrank sind sicherlich zehnmal so viele Klamotten wie ich bräuchte. Und wenn man so wenige Kleidungsstücke zur Verfügung hat und diese daher natürlich häufiger trägt, fällt die Qualität der einzelnen Teile viel mehr auf! Ich werde zukünftig darauf achten, bedachter einzukaufen.


Viel tiefgründiger aber als diese oberflächlichen Beobachtungen: Am meisten bewegte mich, dass absolut niemandem auffiel, dass ich nur so wenig unterschiedliche Kleidung trug. Sogar mein Mann meinte eines Abends beiläufig: „Ach so, du machst ja noch das mit deinen Klamotten…“. Es ist schön, dass die meisten Menschen nicht in erster Linie auf das Äußere achten. Und auch ich selbst konnte meinen Blick weg von meinem Aussehen lenken, wurde weniger abgelenkt und kam innerlich leichter zur Ruhe. Ich denke, für mich lag dies daran, dass sich das „reduzierte Äußere“ in meinem Inneren spiegelte. So oberflächlich das Thema Kleidung sein mag – mir hat es geholfen, in eine andächtige Stimmung zu kommen und mich gedanklich auf die Passionszeit einzulassen.

Katharina Peteani

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