Mein Leben im Gebet

Es sollte für uns nichts Angenehmeres geben als das Gebet.


Viele Jahre lang habe ich mit dem Gebet gerungen, mit seinen Methoden und Techniken, mit der Zeit und der körperlichen Haltung, die ich einnehmen musste, mit dem Ort und so weiter. Ich habe sogar eine App heruntergeladen, um es mir leichter zu machen. Ich hatte den Eindruck, dass ich es nicht richtig mache.


Seit einiger Zeit habe ich beschlossen, es mir zu vereinfachen und mich dem Leben und der Freude am Gebet zu widmen.


Denn Leben und Gebet sind eng miteinander verwoben. Das galt auch für den Herrn Jesus, der nicht ausschließlich einen kontemplativen Weg der Einsamkeit beschritt, sondern auch unterwegs betete. Als er auf der Erde wanderte, schaute er zum Himmel auf und betete; als er heilte, streckte er seine Hände nach seinem Bruder aus und betete; als er Lazarus von den Toten auferweckte, schaute er zum Himmel auf und betete; als er das Brot brach... Selbst im letzten Augenblick seines Atems wandte er sich an seinen Abba und betete.


„Lehre mich zu beten, mein Geliebter!, sagte ich.

Ich habe dich bereits gelehrt, wie du leben sollst, und nur durch das Gebet wirst du dies fähig und willens tun können, sagte er zu mir.“


Die innige Nähe, die mich umgibt, wenn ich meinen Blick auf meinen Vater richte, gibt mir das Gefühl, sein einziges Kind zu sein. In diesem Raum sind die Mauern um uns herum so hoch, dass nicht einmal der Wind mich berühren kann. Es ist, als ob in den Augen der Schöpfung nur wir beide existieren. Ich fühle mich mit seinem ewigen Projekt verbunden. Ich nehme seine Liebe zu mir mit einer solchen Intensität wahr, dass ich es ehrlich gesagt vorziehen würde, mich nicht wieder mit der Vergänglichkeit, die mich umgibt, zu verbinden.


Aber ich halte mich nicht immer in der Stille dieser Zuflucht zurück: Ich bete, wenn ich lerne; ich bete, wenn ich bügle; ich bete, wenn ich Auto fahre und wenn ich unter den Menschen auf der Straße bin. Ich bete allein und in Gesellschaft. Ich bete, wenn ich schwimmen gehe. Ich bete senkrecht und waagerecht. Ich bete unter Tränen und flehend. Ich bete singend unter der Dusche und begleite die Kranken. Ich bete mit meinen Brüdern und Schwestern und mit meiner Familie. Im Grunde lebe ich davon, dass ich darüber bete, was mich in einem bestimmten Moment berührt.


Das Gebet verbindet das Beste unseres Wesens mit dem Rest der Welt durch Jesus, den liebenden Vermittler. Beten heißt, in der Sprache des Geistes sprechen zu können, damit unsere Seele sich erweitert, um die Stimme Jesu aufzunehmen. Das Gebet stimmt unseren Herzschlag auf seinen Schöpfer ein. Wir sollten sie daher nicht als eine außergewöhnliche Erfahrung betrachten, sondern als eine tägliche, spontane und integrierende Erfahrung von allem, was Gott in unserem Leben ist.


Deshalb ist es für mich eine Freude, Tag für Tag im Gebet mit Jesus zu leben, und obwohl ich mich im Moment mit Träumen begnügen muss, weiß ich, dass der Tag kommen wird, an dem ich, den Blick zum Himmel erheben, Jesus Hände ergreifen und wir gemeinsam unseren geliebten Vater preisen werden.


Gott behüte dich,


Mercedes Narros Fernández.

Diakonat Seelsorge und Gebet


Übersetzung: Sandra Weimann Narros

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