Strahle

“Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind." (Matt. 5,14-15)


Seit dem Beginn der Invasion in der Ukraine sind wir Zeugen eines Tsunami der Solidarität, die die westliche Welt gegenüber ihren (übrigens weißen und westlichen) Mitmenschen an den Tag legt. Jeden Tag hören wir von millionenschweren Spenden, Besuchen von Politikern und Prominenten in dem vom Krieg heimgesuchten Gebiet sowie weltweiten Solidaritätskundgebungen.


Der Herr Jesus sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matt.7,16), und deshalb werde ich nicht derjenige sein, die die Angemessenheit, die Motivation und die Gelegenheit von so viel Großzügigkeit kritisiert; im Gegenteil, ich finde es sehr ermutigend zu sehen, wie unsere Gesellschaft aus ihrer hedonistischen Lethargie erwacht und mit aufrichtiger Sorge auf so viel Leid reagiert.


Soziologen warnen jedoch davor, dass diese Welle der sozialen Solidarität ein Verfallsdatum hat und dass die Auswirkungen ihrer Erschöpfung Nachwirkungen hinterlassen wird, auf die ich hier lieber nicht eingehen möchte.


Auf jeden Fall stellt sich heraus, dass dieser Altruismus gegenwärtig eine derartige Apotheose erreicht, dass die christliche Nächstenliebe und das Mitgefühl inmitten so viel Großzügigkeit irgendwie verschwimmen: Es scheint, dass ein Teil des Lichts, das von uns ausgehen sollte, im Feuerwerk der zivilen Großzügigkeit vermischt wird.


Was unterscheidet meine Großzügigkeit von der in Fernsehscheinwerfern, Kamerablitzen und Neonlichtern dieser Welt?


Christus macht den Unterschied. Laut und deutlich: Wir sind seine Nachfolger und wir verkünden sein Evangelium durch unsere Nachfolge. Unsere Identität in IHM und das Zeugnis unserer Nächstenliebe und Barmherzigkeit müssen sichtbar gemacht werden, um das Kommen des Reiches Gottes zu verkünden. Nur ER allein kann diese zerbrochene Welt trösten.


Jede natürliche Nächstenliebe und jedes Mitgefühl, das ein Gläubiger gegenüber einem Menschen ausübt, ist nichts anderes als Christus selbst, der durch ihn handelt, und deswegen haben wir die Pflicht, mit seinem Licht zu leuchten, ohne uns zu verstecken oder uns zu rechtfertigen, aber auch ohne uns selbst zu rühmen. In gewisser Weise scheint es paradox zu sein, aber so hat es uns Jesus gelehrt.


Wir müssen der Welt Hoffnung geben. Das ist das Licht, das immer brennen muss, auch wenn die anderen erlöschen, und sie werden sicher erlöschen: „Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (2 Kor. 3,18)


Unser Licht vor der Welt zu verbergen, sei es durch eine vorgetäuschte demütige Haltung oder sogar durch eine bewusstes Vorgehen, um irgendein rechtmäßiges Ziel zu erreichen, ist eine Flucht in einen Raum der Bequemlichkeit, der nichts mit Nachfolge zu tun hat.


Gott sei Dank leben wir nicht in einem Umfeld der Verfolgung. Nutzt den Augenblick und verkündet ohne Zögern die Frohe Botschaft des Reiches Gottes und unsere Zugehörigkeit zu ihm, denn sein König wünscht es und fordert uns dazu auf: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.” (Matt. 5,16).


Möge dein Licht jetzt noch heller leuchten als je zuvor. Soli Deo gloria!


Mercedes Narros

Diakonat Seelsorge und Gebet


Übersetzung: Harald Weimann


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