Wie vergibst du?

"...vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..." (Matthäus 6:12)


Die meisten von uns werden im Laufe ihres Lebens mit bestimmten Situationen konfrontiert, die unsere Fähigkeit zu vergeben an die Grenze bringen, und in diesen Fällen wird die Ausübung der Vergebung von uns eine große Menge an Verzicht und Opferbereitschaft verlangen. Die Art der Vergebungen, auf die ich mich hier beziehe, sind nicht nur außergewöhnliche Umstände im Leben des Gläubigen, sondern auch die alltäglichen Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten des Lebens, die selbst für einen reifen Gläubigen eine Belastung für seine geistliche Entwicklung sein können.


Kürzlich entdeckte ich einen kurzen Aufsatz des großen Schriftstellers C. S. Lewis, "Vergebung", der mich wieder einmal neu positionierte und mir zu meiner Schande vor Augen führte, wie viel ich in dieser Hinsicht noch lernen muss. Für Interessierte ist der Artikel leicht im Internet zu finden.


Die Lektüre des Aufsatzes erinnerte mich daran, dass beim Beten des Vaterunsers die Vergebung, die wir von unserem himmlischen Vater für unsere Vergehen erbitten, voraussetzt, dass wir all denen vergeben, die uns etwas zugefügt haben, unabhängig von der Art, der Absicht und schwere des Vorfalls.


Es ist offensichtlich, wenn Gott von uns verlangen würde, nur die Vergehen gegen uns zu vergeben, die der Schuldiger uns gegenüber rechtfertigt, würden wir ja nur Entschuldigung akzeptieren, was nichts Göttliches oder Geistliches innehat, sondern lediglich den menschlichen Gerechtigkeitssinn. Zu einfach, Gott vergibt immer vollumfänglich.


Die barmherzige Vergebung, die Gott täglich mit mir übt, ist vollkommen, absolut, ohne Verzögerung in der Wiederherstellung meiner Beziehung zu ihm, ohne mildernde Umstände und ohne die selbstgefälligen Erwartungen der positiven Psychologie. Gott vergibt alles und vergisst sofort und dauerhaft: Er ist allmächtig.


Die Praxis dieser übernatürlichen und augenblicklichen Vergebung ist für viele von uns besonders schwierig und manchmal sogar unerreichbar, denn dazu müssen wir unter anderem nicht nur die gegen uns begangene Sünde mit all ihren Nuancen wahrnehmen und ihre Folgen ertragen, sondern auch, trotz des Schmerzes, der daraus entsteht, die Beleidigung vergessen und unsere Beziehung zum Täter wiederherstellen.


Wie soll ich dann verzeihen? Jetzt kommt der komplizierte Teil, denn die Wahrheit ist, dass es nur eine gültige Antwort gibt.


In meinem Fall, wenn ich mit einer schweren Beleidigung konfrontiert bin, ist totale Vergebung das Ergebnis eines Prozesses, der mit einer innigen und echten Verpflichtung zur Vergebung beginnt. In diesem Prozess stellen sich auch meine Emotionen allmählich auf die Entscheidung zu vergeben ein: Wut weicht Traurigkeit und Frustration, dann der Akzeptanz des Schadens und dem Mitgefühl für meinen Täter, und schließlich dem Frieden der gewährten Vergebung.


Ein hohes Engagement garantiert ein schnelleres Ergebnis, und ich bin mir sicher, dass der Heilige Geist an meiner Seite am Werk ist, meine Entscheidung zu vergeben unterstützt und mir hilft, mich bewusst dem Unrecht zu stellen, das mir angetan wurde. Er wird mit mir im Gebet um den Segen meines Täters schreien, ohne irgendeine Art von Wiedergutmachung oder Strafe zu erwarten. Letzteres ist allein die Entscheidung Gottes.


Versöhnung und Wiederherstellung der Beziehung zu denen, die uns beleidigt haben, folgt oft nicht der gleichen Chronologie wie die Vergebung. Allerdings, und wenn es vernünftigerweise von uns abhängt, sollten wir in Treue zur Heiligen Schrift (Römer 12:18-21) alles tun, was wir können, um Versöhnung und Wiederherstellung der beschädigten Beziehung zu bewirken.


Die Unversöhnlichkeit behindert nicht nur unsere Beziehung zu Gott, sondern führt dazu, dass Bitterkeit so tief in unserem Wesen Wurzeln schlägt, dass sie uns daran hindert, die Gnade zu erlangen, die uns verheißen ist (Hebr. 12,15), deshalb muss die Vergebung ganz oben auf unserer Prioritätenliste als Christen stehen.


Lass nicht zu, dass Unversöhnlichkeit auch die Freude an der Entfaltung deiner Gaben behindert und die Vision, die der Herr für dein Leben vorgesehen hat, verhindert. Lass Dir nicht die Ruhe rauben.


Schließlich möchte ich, dass Du Dich mit mir daran erinnerst, wie der Gerechte unter den Gerechten von seinem Kreuz aus um Vergebung für all die Ungerechtigkeiten, den Verrat und die Missetaten schrie, die wir gegen IHN begangen haben. Ich bin sicher, dass es Dir mit diesem Bild im Kopf leichter fallen wird, die Entscheidung zum Vergeben zu treffen. Für mich funktioniert es auf jeden Fall.


Gott segne und beschütze Dich.


Mercedes Narros. Seelsorge-Diakonat

Übersetzer: Harald Weimann.


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