Leitartikel Februar / März 2022

„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass,

seid dankbar in allen Dingen;

denn das ist der Wille Gottes

in Christus Jesus für euch.“

(1.Thess 5,16-18)


Diese Wochen sind dunkel und kalt und sie kriechen mir ins Gemüt. Dazu die Alltagssorgen, die Zukunftsfragen und die Corona-Depression. Nicht mal kleine Fluchten sind möglich, in Freundschaften und Badmintonspielen, in Kino- und Restaurantbesuche. Wie sollte ich da „allezeit“ fröhlich sein? Beten „ohne Unterlass“? Dankbar zu sein „in allen Dingen“? Das klingt so billig, als sei das machbar, als läge es in meiner Hand. Schön wär´s, ja, doch wie soll das gehen?

Da fällt mir ein schönes Beispiel von dem großen Theologen Matthew Henry ein. Eines Tages wurde er ausgeraubt, doch am Abend schrieb er in sein Tagebuch:

„Lass mich dankbar sein –

erstens, weil ich noch nie zuvor beraubt worden bin,

zweitens, weil sie mir das Leben nicht genommen haben, nur meine Brieftasche,

drittens, weil sie mir zwar alles genommen haben, doch es war nicht so viel,

viertens, weil ich derjenige war, der beraubt wurde, nicht der, der geraubt hat.

Was für ein erstaunlicher Gedankengang! Nach einem Tag des Schocks und Ärgers, kommt Henry zum Dank. Und zuletzt steht tatsächlich Dankbarkeit für sein Leben und Mitleid für den Dieb auf! Was für ein beeindruckendes Beispiel!

Was Paulus schreibt, ist keine Aufforderung zu krampfhafter Freude und verbissenem Gebet. Das hätte gar nicht zu ihm gepasst. Er schreibt an die Christen in Thessalonich, die unter großem Druck standen. Und zuletzt erinnert er sie an all ihre Kraftquellen:

-> „Seid fröhlich, was auch passiert! Ihr habt Grund zur Freude! Gebt dieser Freude Raum und hängt nicht den Sorgen nach.“

-> „Betet ohne aufzugeben. Auch wenn Gott noch nicht sichtbar handelt, hält euch das in seiner Gegenwart.“

-> „Seid dankbar in allen Dingen, denn Gott hat alle Dinge in der Hand. Er hat seine Gründe und er kann alles zum Guten wenden.“

„Das ist der Wille Gottes für euch in Jesus Christus!“

Paulus beschreibt einen Perspektivwechsel: Wir sind es, die uns oft aktiv Problemen und Sorgen zuwenden, sie auserwählen und pflegen. Wir überlassen uns dem Winterwetter, den Alltagsfragen oder Corona-Blues. Das ist UNSER WILLE. Gott aber möchte, dass wir ihn mit in die Tage nehmen. GOTTES WILLE ist, dass wir uns IHM überlassen, uns IHM zuwenden, IHN über und hinter allem zu wissen.

Das passiert nicht einfach so. Aber es ist eine offene Türe und heute kann ich durch sie hindurchgehen. Darum will auch ich beten:

„Lass mich heute …

Erstens fröhlich sein in dir, Jesus! Du bist so gut und an dir habe ich große Freude.

Zweitens beständig beten, dass ich in Kontakt mit dir bleibe. Ich gehe mit dir durch diesen Tag.

Drittens dankbar sein in allen Dingen. Nicht für alles kann ich dankbar sein, aber in allem was ich heute erlebe.

Danke für deinen guten Willen für mich in Jesus Christus. Amen“


Christian Pestel


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